Presseinfo

Roman Pachernegg und Jasmine Wagner hinterfragen mit ihrem neuesten Kinofilm „Unendlich Jetzt“ (Premiere am 28. Februar in Graz) kritisch unseren Umgang mit der Zeit.

Noch ist der Film nicht fertig geschnitten und der Zeitdruck ist enorm, ihn bis zur Premiere am 28. Februar im UCI Annenhof in Graz fertig zu bekommen. Und schon befinden sich Roman Pachernegg (35) und Jasmine Wagner (39) genau in jenem Kreislauf, den sie mit ihrem neuesten Kinofilm „Unendlich Jetzt“ sehr kritisch beleuchten. „Das zeigt uns einmal mehr, wie schwierig es ist, sich aus dem Diktat der Alltagsgeschwindigkeit zu befreien“, erklärt Pachernegg.

 

Dabei haben der Filmemacher und seine Lebensgefährtin sich zwei Jahre genau damit auseinandergesetzt, wie man sich den gesellschaftlichen Stress-Vorgaben entziehen und zu seiner eigenen Intuition zurückfinden kann. Ausgehend von einer Reise in den peruanischen Dschungel haben sie Menschen besucht, denen das gelungen ist und zeigen in ihrem dokumentarischen Film, wie diese „Hamsterrad-Aussteiger“ leben: Zu Wort kommen unter anderem der Berliner Autor Timothy Speed, der seit nunmehr 3 Jahren in einem Zelt lebt, um sich seinen eigenen Umgang mit der Zeit leisten zu können. Gregor Sieböck, der als Weltenwanderer stets sein eigenes Tempo anschlägt und im Gehen ohne Ziel seine wahren Ziele findet. Oder der 87jährige Schauspieler Hannes Thanheiser (u.a. Revanche) der zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit vermittelt.

 

Mitwirkende am Film sind aber auch Experten wie der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher, Psychotherapeut Eugen Drewermann, der Chronobiologe Max Moser, der Kinder- und Jugendpsychiater Christoph Göttl, die Konsumkritikerin Gabriele Sorgo und die Phänomenologin Marlis G. Laule, die unseren Umgang mit der Zeit wissenschaftlich beleuchten.

 

Auch der Dalai Lama spielt eine Rolle, allerdings eine weitaus kleinere als ursprünglich geplant: „Ihn habe ich im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien befragen können“, berichtet Pachernegg. Dennoch kommt die Antwort des Dalai Lama im Film nicht vor. „Erstaunlicherweise war sie weit weniger aussagekräftig als das hektische Umfeld, in dem er sich bewegte und dem er mit ansteckender Gelassenheit begegnete“, schmunzelt Pachernegg, der schon 2009 mit „Das Glück der Anderen“ einen Filmerfolg landen konnte.

 

Bei „Unendlich Jetzt“ geht es den beiden Filmemachern darum, unseren Umgang mit der Zeit zu reflektieren und zu hinterfragen. Das Problem ist, dass wir durch unsere gesellschaftliche Prägung den Zugang zu unserem ureigensten, inneren Taktgeber, unserer Intuition, unserem Gespür für den richtigen Zeitpunkt, völlig verbaut haben. So gesehen ist der spirituelle Zugang zum Thema ein sehr praktischer, der nichts mit ewig harmonischer Meditation auf der rosa Wolke zu tun hat. So viele Menschen stöhnen unter Stress, wir Leben in einer Geschwindigkeit, mit der wir auf Dauer nicht mithalten können. Burn-out wird zur alltäglichen Erkrankung – und trotzdem ist es in, gestresst zu sein, keine Zeit zu haben. Müßiggang hingegen ist verpönt, und wer Zeit hat, gibt es nicht zu, wird zum schuldigen Subjekt.

 

Und so machten sich die beiden auf die Suche nach Lebensmodellen, die sich diesem Druck entziehen. Und haben sie gefunden. Dass diese allesamt sehr radikal sind, und viel Vertrauen erfordern, zeigt schon, wie schwer der Ausstieg ist. Und bringt mit sich, dass die gezeigten Varianten nicht als allgemeine Lösungsanleitungen taugen. Die muss schon jeder für sich selbst entwickeln.

 

„Das haben wir auch selbst erfahren“, erzählt Pachernegg. „Die Beschäftigung mit dem Thema bedingt ja auch das Selbstexperiment. Wir haben auch kreative Pausen eingelegt, wenn wir gespürt haben, es ist zur Zeit alles zu viel, zu schnell, und wir bringen dennoch nichts weiter. Aber sich wirklich zu sagen: So, jetzt mache ich drei Tage lang nichts – das war wirklich schwer auszuhalten, weil es den erlernten, inneren Mustern widerstrebt.“

 

Rückfragen:
Roman Pachernegg, RP3 Filmproduktion, Tel. 0664 8253456
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , http://www.rp3.at/

 

Dalai Lama Anders als Erwartet

Der Grazer Filmemacher Roman Pachernegg (35) hat gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Jasmine Wagner (39) einen Film über unseren Umgang mit der Zeit gedreht. „Unendlich Jetzt“ feiert am 28. Februar im UCI Annenhof in Graz Premiere.

 

Es war gar nicht so leicht, einen Termin für dieses Gespräch zu finden...

Pachernegg: Ja... Der finale Schnitt, die Veranstaltung, der Vertrieb – die letzten Wochen vor einer Premiere sind immer sehr dicht.

Haben Sie aus Ihrem Film nichts gelernt?

Pachernegg: Oh doch! Eine ganze Menge sogar. Vor allem, dass es wirklich radikaler Ansätze bedarf, um sich selbst einen eigenen Zeitrhythmus geben zu können und nach diesem zu leben.

Lässt sich das tatsächlich machen?

Pachernegg: Ja, das zeigt eben unser Film. Aber so ein Leben hat mit der für uns gültigen Normalität nichts zu tun. Dessen muss man sich bewusst sein.

Also geht es eigentlich doch nicht?

Pachernegg: Es hängt davon ab, was man möchte. Möchte man sich total ausklinken, dann bedarf das einer radikalen Umkehr. Zu dieser sind meist nur Menschen fähig, die ein einschneidendes Erlebnis hinter sich haben, das die Werte, die Prioritäten verschoben hat. Aber es geht natürlich auch im Kleinen. Man muss ja nicht alles gleich auf den Kopf stellen. Wenn man sich der Problematik bewusst ist, gelingt es, sich wenigstens hier und da einmal zu widersetzen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Pachernegg: Freilich habe ich auch bei der Umsetzung des Filmes immer wieder versucht, mein Leben zu verlangsamen, um Erfahrungen zu sammeln. Diese waren aber oft schwer zu ertragen. Es gab – das kennt wohl jeder – Tage, an denen ich gespürt habe, heute geht nicht viel weiter, heute bin ich nicht kreativ, nicht bereit für die Arbeit. Dann habe ich eben alles ruhen gelassen. Das war wirklich schwer auszuhalten, weil wir solche Verhaltensweisen nie gelernt haben. Schon in der Schule bekommen wir Deadlines im Form von Terminen für Tests, Schularbeiten etc. Und so geht das im ganzen Leben.

Wir können also gar nicht mehr innehalten?

Pachernegg: Kaum! Nicht nur, weil die Rahmenbedingungen – Arbeit, Öffnungszeiten, Abgabetermine etc. – uns das kaum erlauben, sondern weil wir die Fähigkeit schon nicht mehr haben. Müßiggang ist verpönt, und wer gerade einmal nichts zu tun hat, gibt es nicht zu. Weil nur wer Stress hat ist in!

Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht, den Dalai Lama aus ihrem Film wieder herauszuschneiden? Das Wort seiner Heiligkeit hat in aller Welt Gewicht, er wäre ein gutes Zugpferd für den Film geworden.

Pachernegg (denkt nach): Ich habe lange mit mir gerungen. Ich habe das auch mit anderen beraten, die mir gesagt haben: „Spinnst!“ Aber ich bin dann doch dabei geblieben.

Der Dalai Lama hatte nichts Relevantes zu sagen?

Pachernegg: Das kann man so nicht ausdrücken. Aber ich muss ganz deutlich sagen: Das was er uns gesagt hat, hatte nicht dieses Gewicht, dass die Botschaften und die Beispiele der anderen Mitwirkenden haben. Das kam unerwartet, aber es ist so. Vielleicht lag es auch an der Situation – wir hatten keinen ruhigen Interviewtermin, sondern konnten im Zuge einer Pressekonferenz in Wien unsere Fragen stellen. Er hat auch sehr ausführlich geantwortet, aber wir haben uns dann für eine Szene entschieden den Dalai Lama aus einer gänzlich unerwarteten Perspektive zeigt.

Hilft Ihr Film uns Gestressten?

Pachernegg: Ja, das glaube ich schon. Freilich bringt er keine für alle brauchbaren Lösungsvorschläge, aber er wird viele Zuschauer zum Nachdenken anregen. Und dann hat er meist schon geholfen. Zumindest einen bewussteren Umgang mit der Zeit wird er auslösen.

 

Das Interview führte Michael Samec, freier Journalist und Texter, www.dieTexter.at

 

Weitere Rezensionen

Horizonworld:
http://www.horizonworld.de/unendlich-jetzt-ein-film-der-zeit-neu-definiert/

Spirit 2012:
http://www.2012spirit.de/2015/03/unendlich-jetzt/

SEIN Magazin:
https://www.sein.de/filmtipps/auf-dvd-unendlich-jetzt/

 

Zur Person:

Roman Pachernegg, Filmproduzent, geb. am 14.10.1978
Ausbildung: Grafik und Kommunikationsdesign, Studium der Theater, Film- und Medienwissenschaft (abgebrochen)

Filmographie:

 

 
Deutsch (DE-CH-AT)