März 2012

"Als ich die Unwiederbringlichkeit der Zeit erkannte, war ich ein alter Mann."

 

Die Arbeit an diesem Film ist ein Experiment mit und an der Zeit. Diese Zeit wird geprägt sein von Phasen des Zweifelns, des Aufgebenwollens, des Widerstandes aber auch von Phasen des Getragenwerdens, des Sich-Richtig-Fühlens, der Erfahrung des Ganz-Seins in der Welt und im eigenen Tun. Die folgenden Aufzeichnungen sind keine Tagebücher, sondern viel mehr Seelenfragmente - Beschreibungen von inneren Zuständen und immer wieder auch Arbeitsdokumentationen, ergänzt von im Laufe des Weges gefundenen Zitaten "zur Zeit".

 

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"Das Geheimnis des ausserordentlichen Menschen ist in der Regel nichts als Konsequenz." Der Buddha

 

Gemäß diesem Zitat beginnen sich schon vor der ersten Klappe Zweifel einzustellen, wie man so einen Film denn nun wirklich angehen sollte. Vor allem fehlt das Geld und was noch schwieriger ist, es fehlt auch ein Konzept. In diesem Fall ohne Konzept zu arbeiten, ist die eigentliche Herausforderung. Sich selbst einen Zeitrahmen zu setzen, der frei ist von Fixierungen und engen Terminaneinanderreihungen. So soll die Arbeit am Film selbst zum Zeit-Experiment werden, denn es wäre der Sache äußerst undienlich, einen Film über Zeit zu machen und dafür Zeit "einzubüßen". Es soll ein Hineinspüren in die Zeit werden, ein Warten auf die richtigen Momente, Stimmungen, Menschen...

 

Meiner Gewohnheit nach kann so eine Herangehensweise nur scheitern, weil sie den Geist inkonsequent macht. Dieser wird immer eine Ausrede finden, vor allem dann wenn kein unmittelbares Ergebnis erkennbar ist. Und die Arbeit an so einem Projekt, soviel weiß ich mittlerweile aus eigener Erfahrung, ist immer nur als Weg zu erkennen und kann nie in seine einzelnen "produktiven" Teile zerlegt werden. Es wird also darum gehen, sich selbst etwas zuzutrauen, ohne sich dabei zu überfordern.

 

Dass der Dalai Lama nach Wien zu einem Vortrag kommt, passt gut in das nicht vorhandene Konzept. Ich schreibe eine Anfrage an das Tibetzentrum, dass eine spirituelle Leitfigur wie seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama eine große Bereicherung für diesen Film wäre. Die folgende Einladung zur Pressekonferenz in Wien, lassen die Chancen auf ein Film-Interview zumindest insofern steigen, als ich nun mein Anliegen noch einmal direkt an der Quelle deponieren kann. Die Resonanz auf das Filmthema macht aus diesem Tag einen besonderen, einen jener Tage an die man sich später erinnern wird.

 

"Was nützt es uns zum Mond reisen zu können, wenn es uns nicht gelingt, den Abgrund zu überqueren, der uns von uns selbst trennt? Dies ist die wichtigste aller Entdeckungsreisen, ohne sie sind alle anderen nicht nur nutzlos, sondern zerstörerisch." Thomas Merton

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"Könnte man die Sprünge  der Aufmerksamkeiten messen, die Leistungen der Augenmuskeln, die Pendelbewegungen der Seele und alle die Anstrengungen, die ein Mensch vollbringen muß, um sich im Fluß einer Straße aufrecht zu halten, es käme vermutlich eine Größe heraus mit der verglichen die Kraft, die Atlas brauchte, um die Welt zu stemmen, gering ist, und man könnte ermessen, welche ungeheure Leistung heute schon ein Mensch vollbringt, der gar nichts tut. " Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

 

Ein seltsames Gefühl der Schwere des Nichts-Tun-Wollens. Wie kann man entspannt an etwas arbeiten, etwas voranbringen ohne sich einem inneren Druck auszusetzen? Ein neuer Umgang mit Zeit, ein Warten auf den richtigen Augenblick, all das verlangt soviel Übung und Konsequenz wie das Lernen einer neuer Sprache. Demnach sollte man lernen wie ein Kind, jeden Tag versuchen in Berührung zu bleiben mit diesem inneren Zeit-Kern, der autonom ist und noch rein und unberührt von der Illusion der vergehenden Zeit.

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18.05 - 19.05.2012

2tägiger Aufenthalt in Klagenfurt. Warten auf Seine Heiligkeit den 14. Dalai Lama. Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler spricht davon, dass die Sonne in Kärnten nun zwei mal scheint. Während der zwei Tage hören wir diese Aussage drei mal. Der Terminplan des Dalai Lama ist minutiös verplant. Wir selbst arbeiten ohne jegliche Zeiteinteilung, alles was kommt, kommt - so wie sich auch das Interview mit Harald Katzenschläger von der Dream Academia in der Folge völlig spontan ergibt und gestaltet.

 

Am Ende der buddhistischen Unterweisungen sind wir die letzten, die noch ausharren und auf ein Interview mit dem Dalai Lama hoffen. Nun wird uns auch der Wunsch, eine Minute mit Seiner Heiligkeit vor der Filmkamera zu verbringen, verwehrt. Interessant ist, wie sich meine Stimmung während des Wartens verändert. Der anfängliche selbst mitgebrachte Druck in Bezug auf ein vorweisbares Ergebnis, wandelte sich plötzlich um zu einem Gefühl der Gelassenheit, als ich erkenne, dass alles was wir hier vorfinden, die Zeitnot, die Hektik rund um die Pressekonferenzen..., genau richtig ist für unser Thema "Zeit": Das Interview mit dem Dalai Lama konnte aus Mangel an Zeit nicht stattfinden. Und wir durften erfahren, wie sich ein Mensch verhält, der in aller natürlichen Spontaneität, Herzlichkeit und Entschlossenheit im Hier und Jetzt ist.

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25.05.2012

Wieder Warten. Diesmal beginnt die Pressekonferenz des Dalai Lama in Wien mit 30 Min. Verspätung, weil das Flugzeug aus Belgien nicht pünktlich landet. Nach wie vor bin ich fasziniert und auch verstört von der Dichte des Terminplans - der Buddhismus und die dazugehörige Einstellung war für mich immer verbunden mit Ruhe, Kontemplation und viel zeitlichem Freiraum. Als die Pressekonferenz beginnt, zeigt sich der Dalai Lama, der direkt vom Flughafen kommt, sichtlich entspannt - diesen Mann scheint wahrhaftig nichts aus der Ruhe zu bringen - immerhin beginnt in knapp zwei Stunden schon der nächste Vortrag in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Als die Fragerunde beginnt, bin ich der einzige der die Hand hebt. Meine Frage an den Dalai Lama geht in Richtung "Hochgeschwindigkeits-Gesellschaft" und was wir vom Buddhismus in Bezug auf einen gesunden Umgang mit Lebens-Zeit lernen können. Nach einer über 3minütigen Antwort bin ich nervlich ziemlich gezeichnet und umarme meinen Freund Harald Katzenschläger, besser bekannt als Katzi, der mich während der Dalai Lama Tage begleitete und unterstütze. Ein besonderer Moment für den Film, für uns und ein gutes Omen für das was da noch kommen möge.

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"Wir leben am Rand der Katastrophe, weil wir das Leben nicht in Ruhe zu lassen wissen."  Thomas Merton

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Juni 2012

"Wer sein Leben nicht auf der Bühne der Träume verbringt, wird ein Sklave der Zeit sein."  Khalil Gibran


Ein Filmgespäch mit Katrin Polessnigg, die seit ihrem 5. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. Als Location entscheiden wir uns für ihr Stammlokal - die Grazer Eschenlaube. Dass sich Katrins Zeitempfinden aufgrund einer massiven körperlichen Einschränkung, grundlegend von dem "normal beweglicher" Menschen unterscheidet, scheint auf der Hand zu liegen - ihre Ansichten überraschen uns aber insofern, als sie deutliche Worte findet gegenüber einer Gesellschaft, die es aus ihrer Sicht verlernt hat im Augenblick zu leben - jenen Augenblick, den sie als das einzig wahrhaftige in ihrem Leben empfindet und aus dem sie unendlich Kraft schöpft. Ein guter Freund, dem ich später von diesem Interview berichte, wird mich fragen ob Katrin ihre Ansichten nur ausspricht oder auch lebt...nach einer eintägigen Nachdenkpause habe ich das Gefühl, selten einen Menschen wie Katrin erlebt zu haben, bei dem das gesprochene Wort und die damit verbundene Konsequenz, so eng und unverlogen beeinander liegen.

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11.06.2012, Nachts

"Wie gut, dass auch diese Erkenntnis nun zu ihm kam: Dass es keine Zeit gab. Von allem, was der Mensch begehrte, war er immer nur durch Zeit getrennt."  Hermann Hesse, Klein und Wagner

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Juli 2012

Um einen Roman zu schreiben, hat sich der Autor Timothy Speed in ein Tipi Zelt in der Nähe von Berlin zurückgezogen. Dort lebt und schreibt er seit knapp zwei Jahren. Sein erweitertes Zeitempfinden, jenseits normierter Ordnungen, und seine intensiv spürbare Authentizität, machen vor der Kamera erlebbar, was es heißt, wenn Menschen Wege einschlagen, die ihrer inneren Richtung entsprechen. Oder wie Andrè Heller es nennen würde: Wenn Menschen synchron mit den Bedürfnissen ihrer Seele leben.

 

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Am Nieplitzhof (nähe Berlin) treffen wir auf den Alpaka Züchter und Zen Philosophen Bernd Lindemann. Eine Idee davon wie man Leben und Arbeit, Zeit und Raum, Natur und Mensch vereint. Eine Idee von Glück.

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"Eigentlich bin ich ganz anders, nur komm ich so selten dazu." Ödön von Horváth

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Frage mich ob man dem Film nicht generell eine andere Richtung geben sollte bzw. sich einfach noch konsequenter an einer Zeitqualität orientieren, die nicht in Kalendern festzumachen ist. Also einfach das Einhalten der ursprünglich gedachten Herangehensweise. Viele Menschen brauchen mittlerweile andere Menschen um ihre Termine zu verwalten. Nicht zu wissen ob man Zeit hat - ein interessantes Phänomen.

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"Die Idee Zeit ist Geld, ist der Gipfel der Gemeinheit." Paul Valéry

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"Die Zeit ist die Substanz, aus der ich gemacht bin. Die Zeit ist ein Fluss der mich davonreisst, aber ich bin der Fluss, sie ist ein Tiger der mich zerfleischt, aber ich bin der Tiger, sie ist ein Feuer das mich verzehrt, aber ich bin das Feuer." J.L.Borges

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"They always say that time changes things, but you actually have to change them yourself." Andy Warhol

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Die Sensation des Augenblicks

Interview-Dreh mit Marlis Grzymek-Laule im von akustischen Herausforderungen nicht unfreien Wiener Augarten.

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Die Zukunft des Autos

Am Autofriedhof mit Mobilitätsexperten Hermann Knoflacher.

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Absage aus dem Büro André Heller

"Wie bereits in unserem heutigen Gespräch erwähnt, wird es Herrn Heller aufgrund seines hohen Arbeitspensums in den nächsten Monaten leider nicht möglich sein genügend Zeit aufzubringen, um sich Ihrem Filmprojekt "Unendlich Jetzt - Eine filmische Zeitreise" in Form eines Interviews zu widmen."

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Versuch aus Zeit

"Im Selbstversuch imitiere ich eine Meditationspraxis lang gedienter buddhistischer Mönche. Die Übung besteht darin eine halbe Stunde in eine feuchte Decke eingewickelt bei relativ geringer Aussentemperatur die Decke rein durch die eigene Körpertemperatur zu trocknen. Das Zeit-Gefühl, das sich während der halben Stunde einstellte war ebenso erstaunlich wie der folgende Nachmittag, den ich nunmehr in mehrere trockene Decken eingewickelt, damit verbrachte die eigene Motivation und Spontaneität gründlich zu hinterfragen. ."

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"Weihnachten ist Suchterziehung."

Kinder- und Jugendpsychiater Christoph Göttl reflektiert über seine Zeit als angehender Arzt und wie wichtig es ist, Kinder dabei zu unterstützen ihre eigenen Ziele zu verwirklichen, anstatt ihnen eine Welt vorzuleben, in der Konsum, Medien und Werbung jene innere Ausrichtung hin zum "falschen Selbst" übernehmen. Er erzählt von protonarrativen Hüllen, die unbewusst eine innere Dramaturgie zum Zeitempfinden eines jeden Menschen bilden und macht die Wichtigkeit einer echten Entschleunigung für die psychische Gesundheit eines jeden deutlich. Als Bildhintergrund entscheiden wir uns für ein Portrait seiner Tochter, was dem Gespräch eine besondere persönliche Intensität, Dringlichkeit und Nähe verleiht.

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Jüngling der Zeit

Mit dem österreichischen Schauspieler Hannes Thanheiser besuchen wir jenen Mann, der auch mit über 85 noch von der Neugier auf das Leben angetrieben ist. Das Sammeln hält ihn nicht davon ab, Dinge auch wieder loszulassen und das Wort "Pension" lässt ihn auflachen und gestikulierend erklären: "Geld zaubert man...einfach so!" Wenn wir uns persönlichen Fragen nähern, antwortet er zuerst gern mit "Erdäpfelgulasch" - als Anspielung auf ein von der Zeitschrift WOMAN angefragtes Interview wo es u.a. um sein Lieblingsgericht gehen sollte. Dieses Interview hat er jedoch abgesagt, die Fragestellungen waren ihm zu banal. Das Gespräch über Zeit scheint er sichtlich zu genießen, immer wieder wünscht er sich Bedenkzeit, und möchte ganze DIN-A4 Seiten vollschreiben wenn er beispielsweise einem Kind etwas über Zeit erzählen soll. Seine Geheimnisse über die Zeit verrät er uns nicht, nur soviel sei gesagt: "...das es möglich ist, Gold aus Zeit zu spinnen..."

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Zwei Möglichkeiten der Zeit inspiriert vom Zen-Buddhismus

1. "Jeder Moment hat das Potential zur Erleuchtung".

2. "Steh deinen Emotionen nicht durch Bewertung im Weg - dann bist du frei von Anhaftung und frei vom Leiden an der Vergangenheit".

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"Wir müssen auf ein menschliches Tempo verlangsamen und wir werden beginnen, Zeit zu haben um zu horchen. Sobald wir auf das horchen, was vor sich geht, werden die Dinge selbst Form annehmen. Aber dafür müssen wir Zeit auf eine neue Art erfahren.“ Thomas Merton

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„Vielleicht kommt eher der Zeitgeist dort an, wo ich schon lange bin.“ Götz Spielmann

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Von trojanischen Pferden und heiligen Kühen

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So wie sich einst Soldaten in die Stadt Troja einschleusten um sie anschließend zu Fall zu bringen, so schleichen sich mittlerweile die Botschaften der Werbestrategen in unsere Köpfe. Und um die heilige Kuh namens Wirtschaft am Laufen zu halten, verfangen wir uns freiwillig im Hamsterrad der Pseudo-Bedürfnisse, opfern Lebenszeit an oft unbefriedigenden Arbeitsplätzen, um anschließend die wohl verdiente Freizeit im Shopping Center zu verbringen. Sinngemäß reflektiere ich hier in sehr verkürzter Form unser Filmgespräch mit der Kulturhistorikerin Gabriele Sorgo, dessen Inhalt mich nachdenklich aber gleichzeitig auch sehr zuversichtlich stimmt. Denn dort wo  gezielte Manipulation durch bewußte Information abgelöst wird, entstehen neue Perspektiven und diese brauchen wir dringender denn je.

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Bardo

Das Jahr 2012 schien reich an Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung aber auch reich an versteckten Falltüren, mysteriösen Verkettungen und zwischenmenschlichen Auflösungsprozessen. Keine Beziehung, die in sich nicht mehr stimmig ist, wird dieses Jahr überstehen, kündigte uns Astrid Maierhofer in einem Filmgespräch bereits im September an. Auf dramatische Weise zeigt sich das auch dort wo man es am wenigsten erwartet hätte. Was uns jetzt bevorsteht, zwischen 12.12.2012 und 21.12.2012, nennen die Buddhisten Bardo, ein Zeitraum des Wartens, des Geschehenlassens ohne Zutun und vor allem ein Zeitraum des Übergangs. Hier können wir uns quasi entscheiden ob wir wieder in alte längst ausgediente Muster zurückkehren oder ob wir uns auf neues,  unerforschtes Gebiet einlassen. Wird dieser Zeitraum mit Aktivitäten des "...schnell noch vor Weihnachten erledigen müssens" zugepflastert ist er genauso wert- und sinnlos wie der Großteil an Gebrauchsartikeln, die in dieser Zeit über den Warentisch wandern.

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Aus filmischer Sicht haben wir das insofern berücksichtigt, als dass wir das letzte Interview in diesem Jahr am 12.12.2012 mit dem Chronobiologen Max Moser (Bild oben) führten. Die Wurzeln der menschlichen Zeit- und Rhythmuserfahrung wurden hier genauso thematisiert, wie die Gefahr der kognitiven Behinderung, der sich viel bewunderte Manager mit ihren übervollen Terminplänen, erstaunlicherweise freiwillig aussetzen. Davor erklärte uns der Astrophysiker Arnold Hanslmeier wo er die menschliche Faszination an Endzeitszenarien verortet sieht und die Psychotheraupeutin und Autorin Anita Natmessnig gewährte uns Einblicke in Ihre Erfahrungen aus der Arbeit im Hospiz und den letzten Begegnungen mit einem sterbenden Zen-Meister.

Nun genug der Worte, Arbeit, Zweifel, Ängste, Freuden und Versuchungen.

Ein Jahr geht zu Ende.

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Das Missing-Link zwischen Affe und Mensch sind wir selber. Konrad Lorenz

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Auf See

Als würde ein Schiff nach langer Reise über offenes Wasser unerwartet auf eine Sandbank laufen. Die Bewegung ist unterbrochen, der Stillstand setzt ein, fast so als wäre man nie abgereist. Und doch bleibt ein wages Ziel vor Augen, das gerade jetzt wo es scheinbar immer mehr verschwimmt, sich noch genauer artikulieren will. 60 Min. des Films sind in einer ersten Version geschnitten, doch nun setzt das ein was das Thema des Films im Kern berührt. Geduld. Das Warten auf neue Inspiration, das Loslassen sicherer Konzepte, die Entspannung in die Besonderheit jedes einzelnen Moments. Wenn alle Förderungen abgesagt sind, das Geld zur Neige geht und nur noch der bedingungslose Glaube an die Richtigkeit einer Sache das Fundament der kreativen Existenz bildet, dann steht all das auf der Probe was in der Theorie so sanft und friedvoll klingt. Wenn Leichtigkeit und zumindest die Erinnerung an ein Gefühl übersinnlicher Verbundenheit, die Last gedanklicher Sorgen davonweht wie ein Wind das Herbstlaub, dann bleibt diese leise, sprachlose Zuversicht in den eigenen Weg - um am Ende der zu werden, der man eigentlich ist. Oder um in Henry David Thoreau`s Worten zu sprechen: "Damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt habe."

 

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"Fang jetzt an zu leben, und zähle jeden Tag als ein Leben für sich." Seneca

 

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Anti-Flow

Alles scheint sich zu sperren. Neben einer kreativen Stagnation sehe ich mich mit einer Reihe von Gewissensfragen konfrontiert, die mich vollkommen lahmlegen. Wie geht man ehrlich mit Konfliktsituationen um, welchen Maßstab legt man an sich und an andere, wie geht man (innerlich) mit Menschen um, die vor lauter Edelmut nicht mehr zugänglich sind, kann man sich selbst in alldem vergeben? Im Jetzt zu sein bedeutet auch in Abgründe zu schauen, die Fluchtbewegung einzustellen, die eigenen Vor-Stellungen aufzulösen. Jeden Tag neu zu leben ist die eigentliche Herausforderung dabei die Kontrollsucht abzubauen und die Angst vor der elementaren Unvorhersehbarkeit des Lebens umzuwandeln in Hingabe und Vertrauen. Das Jetzt hat keine Eigenschaften, noch stellt es Ansprüche oder Bedingungen - es ist immer vollständig. Das Jetzt ist die ewige Geburt, einer ewigen Seele.

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"Ein Künstler hört sofort auf ein Künstler zu sein, wenn er das Motiv der Kunst zu dienen, eintauscht gegen den Drang nach Ruhm und Geld."Fjodor Dostojewskij

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Vom Gehen ohne Ziel - Begegnung mit Gregor Sieböck

Vom Bahnhof in St. Veit an der Glan holen wir ihn ab, jenen Mann der schon den halben Erdball mit seinem eigenen Körper vermessen hat. Doch dass er vor einigen Jahren von Bad Ischl im Salzkammergut zu Fuß nach Japan gewandert ist, interessiert ihn heute wenig. Vielmehr geht es in diesem Moment am Vorplatz des Bahnhofs um die Erkenntnis "i find my direction magentically". Den eigenen Weg finden wie vom Magneten gezogen, selbst zum Weg werden, ohne ein System dahinter dass das eine oder andere deswegen ausschließt. Am Längsee in St. Georgen filmen wir noch am selben Abend die ersten Szenen, Gregors Stimmung ist vom Aufbruch ins Neue und Unbekannte sichtlich aufgeladen. Er will sich nicht länger von fixen, die Wahrnehmung einengenden Zielen vereinnahmen lassen, vielmehr soll der Weg im Gehen enstehen.

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Caminante no hay camino, se hace camino al andar - Wanderer es gibt keinen Weg, der Weg ensteht im Gehen - dieses Zitat von Antonio Machado spricht ihm wohl tief aus der Seele. Tausende Kilometer zu Fuß verändern einen Menschen. Gregor meint es ist wie Zwiebelschalen ablegen und mit der Zeit wächst das Vertrauen, auch wenn sich innere Abgründe und Zweifel auftun. Während wir am folgenden Tag auf matschig, eisigem Gelände alle Szenen vollkommen spontan entstehen lassen bin auch ich darin gefordert meine Vorstellungen loszulassen. Der vorbereitete Fragenkatalog bleibt zurück und wir gehen einfach los, kämpfen uns durchs Gestrüp und verweilen an auftauenden Waldteichen. Am Ende des Drehtages sind wir erschöpft und erleichtert - bereichert von der Kraft eines Weges der im Moment und in der Bewegung entstanden ist, erfüllt von einer Begegnung die sich anfühlt, als hätte sie schon öfters stattgefunden.

 

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Fotos: © Heinz Pachernegg

 

Wie Gregor seinerseits unsere filmische Begegnung erlebte und wohin ihn der Weg führt, ist u.a. an dieser Stelle nachzulesen:

http://www.gesundheitsfoerderung.at/node/1031

 

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Oliver Malle interpretiert George Winston

Der Peru Teil unseres Films verlangt nach einer besonderen Filmmusik. Auf Empfehlung von Christina Perai treffen wir auf den hochtalentierten Klavierstudenten Oliver Malle, der sich bereit erklärte George Winstons Stück "Thanksgiving" für unseren Film neu einzuspielen. Unter der tontechnischen Aufnahmeleitung von Stefan Warum scheint schon der dritte Durchlauf genau jene spontane Intensität und Lebendigkeit zu vermitteln, um die Filmbilder rund um den Amazonas energetisch aufzuladen. Auch wenn Oliver meint, er könne noch ewig so weiterspielen vertrauen wir unserem unmittelbarem Empfinden, nehmen noch eine Reserveversion auf und beenden die Aufnahme. Im Grunde geht es nicht darum, aus so vielen Varianten wie möglich auswählen zu können, sondern sich im richtigen Moment auf die richtige Entscheidung einzulassen.

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Geboren ins Jetzt

Am Sonntag dem 26.05.2013, am Ende einer Vollmondnacht, kam unsere Tochter Viola auf gänzliche natürliche Weise zur Welt. Die filmische Intention, eine Idee zu vermitteln wie wir sinnvoll mit unserer Lebenszeit umgehen, wird somit in die unmittelbare Praxis überführt. Sich der unberechenbaren Zeitstruktur eines neuen Erdenwesens anzugleichen, in Hingabe und Vertrauen, ist die schönste Erfahrung auf dem Weg zum eigenen Bewusstseinskern. Jenseits einer Welt voller Terminpläne und vorgefertigter Strukturen wird erst spürbar was Begriffe wie Lebendigkeit und Spontaneität in ihrer Essenz bedeuten. Um an das, uns allen evolutiv eingeschriebene geistig-physische Kontinuum, wieder anzuschließen (allzuweit haben wir uns mittels fehlgeleiteter monetärer und technischer Abergläubikgeit schon davon entfernt) ist der sicherste und bedingungsloseste Weg dahin, die einfühlsame Beobachtung und ganzheitliche Begleitung eines neugeborenen Menschen - in gewisser Form eine Manifestation von Zeit.

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Qi Gong und die Entdeckung der Langsamkeit

Mit Qi Gong Meister Toni Werschlan filme ich in Redlschlag am höchsten Punkt des Burgenlands. Eine ehemalige Kreidfeuerstelle wird unsere Drehlocation und der Platz scheint von einer besonderen Energie aufgeladen zu sein, die durch die zeitlupenartigen Bewegunsabläufe noch verstärkt wird. Nicht tun sondern Tun-Lassen ist die Essenz dieser Szene, und am Display der Kamera lässt sich nicht mehr erkennen, wo Raum, Körper, Bewegung, Denken und Fühlen ihre Grenzen ziehen. Die Verbindung dieser Ebenen lässt uns Menschen sein, das wird mir an diesem Abend ohne Anspruch auf anhaltende Erkenntnis vorgeführt.

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Eine Synthese aus Endlichkeit und Ewigkeit

In Paderborn treffe ich - nach brieflicher Vereinbarung - auf Eugen Drewermann dem wohl radikalsten Theologen und Psychotherapeuten unserer Zeit. Seine Ansichten zum Thema Seele und Unendlichkeit berühren den tiefsten Kern menschlicher Existenz ohne dabei eine schonungslose Kritik am derzeit herrschenden Humankapitalismus vermissen zu lassen. Spiritualiät, Philosophie und Religion verbinden sich in seinen Worten zu einem Menschenbild das so fern von unserer täglichen Realität erscheint und uns doch so unauslöschlich in all seiner Schönheit und sehnsuchtsvollen Hoffnung in unser Herz geschrieben ist.

All das bisher Gesagte und Gefühlte erhebt sich in diesem filmischen Epilog auf eine neue Stufe, wo sich Zweifel und Zögern zu Vertrauen und Glauben transformieren.

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Leerphasen...

Immer erst rückblickend erscheinen die meist unerträglichen Phasen des Stillstandes als richtungsweisend. Als wären sie besondere Geschenke um wieder Luft zu holen, gewonnene Erfahrungen setzen zu lassen und mit unverbrauchter Energie neue Schritte zu setzen. Vieles was unser Film thematisiert, wurde jetzt noch einmal radikal auf die persönliche Probe gestellt. Bleibe ich weiter im Vertrauen und lasse die Dinge auf mich zukommen indem ich dafür offen bleibe oder enge ich meine Möglichketen ein, indem ich die vermeindlich vernünftigere und erfolgsversprechendere Richtung einschlage?

Es gibt kein Rezept, außer dem einen: In uns schlummert so etwas wie ein stilles Wissen das sich jenseits von Worten meist sehr schnell und unmittelbar mitteilt. Für Aussenstehende erscheint es oft irrational, naiv oder zu unberechenbar...aber wer beginnt nach diesen Kriterien zu entscheiden, der beginnt, sich für sich selbst zu entscheiden. Ab Ende Februar 2014 sollte das Ergebnis dieses intensiven Selbstversuchs dann auch erstmals auf der Kinoleinwand zu sehen sein.

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Tag der Wahrheit - Kinopremiere am 28.02.2014 UCI Annenhof Graz

Danke an alle Mitwirkenden, Partner, Unterstützer, Besucher...die diesen Tag für uns und den Film so besonders und einzigartig gemacht haben.

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Rückmeldungen

In den vielen Gesprächen die wir bis jetzt über den Film geführt haben und aus den Nachrichten die wir erhalten haben, lässt sich herausspüren dass der Film seinem Publikum Mut macht Ihren eigenen Weg weiterzuverfolgen, dass er zum Zu-Sich-Selbst-Kommen einlädt, dass er Schichten unserer Existenz berührt über die wir uns emotional verbunden fühlen...sollte die Arbeit an diesem Film überhaupt je ein konkretes Ziel verfolgt haben, dann sind es diese Momente - wo der Funke der Inspiration beginnt, überzuspringen und der Strom des Ganzen um diese glitzernden Elemente bereichert wird.

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Hannes Thanheiser

Am Dienstag, dem 17.06.2014 ist Hannes Thanheiser mit 88 Jahren verstorben. Ein guter Freund und vor allem geistiger Verwandter für mich, eigentlich vielmehr ein Mentor, wenn auch nur für sehr kurze Zeit. Wir haben ihn im Rahmen der Filmarbeiten zu Unendlich Jetzt kennengelernt, er hat einen wundervollen Beitrag zu diesem Film geleistet und auch dessen Entstehung in so mancher Hinsicht überhaupt erst ermöglicht. Zumindest ein kleines Denkmal konnten wir ihm somit noch setzen. Gemeinsam war es uns dann auch geschenkt, den Film im Cinema Paradiso in St. Pölten vorzuführen. Hannes ist einer der wenigen Menschen, die dieser Welt etwas fundamental Anderes zu sagen haben, etwas, das so heilsam und weitreichend ist, dass es jetzt umso schmerzhafter ist zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass er gegangen ist. Wohin? Vielleicht ins Implurall, das wünsch ich ihm so sehr - in diesen Raum der ihm nach eigenen Erzählungen so vertraut war wie eine zweite Heimat, ein zweites Würmling. Der Kosmos des Hannes Thanheiser wird weiterleben in allen die ihn näher gekannt haben und die ihm so gerne noch einmal Danke gesagt hätten.

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Die Welt steht still

Das bestialische Militärattentat auf ein Passagierflugzeug in der Ukraine geht jeden von uns an, denn es gibt nur diese eine Welt in der wir alle gemeinsam leben. Als ich von dem Abschuss hörte musste ich augenblicklich weinen, vor allem als ich in die Augen meiner kleinen Tochter schaute und mir vorstellte sie wäre in diesem Flugzeug gesessen. Vielleicht wäre das auch jedem (Chef-)Redakteur und jeder (Chef-)Redakteurin, jedem Politiker und jeder Politikerin anzuraten: Einmal in die Augen der eigenen Kinder zu schauen und sich vorzustellen dass sie in einer Welt aufwachsen wo Menschen einfach vom Himmel geschossen werden. Vielleicht würde die Berichterstattung über dieses Massaker dann anders aussehen und der wochendliche Wetterbadebericht müßte kurz hintenanstehen. Vielleicht hätten dann auch Politiker mehr zu sagen, als sich rein über die Schuldfrage Gedanken zu machen. Kein einziger Mensch wird zurückkommen nur weil die Schuldfrage geklärt ist, kein einziger unfassbarer Verlust von Hinterbliebenen wird dadurch gemildert.

Es geht darum sich die Verhältnisse anzuschauen in denen so etwas überhaupt passieren kann. Dass wir in unserer angeblich hochentwickelten Kultur Zeugen von absurden, perversen Kriegen werden und dessen Urhebern noch zuapplaudieren und mit ihnen olympische Spiele feiern. Inmitten der vernetzten Globalisierung haben wir das Maß verloren, alles erscheint nur noch als Spiel und jegliche persönliche Betroffenheit muss der Vernunft und dem Weiterhetzen weichen. Ein Vorfall wie dieser müßte die Welt anhalten, und es müßte solange gefragt werden bis es eine Lösung gibt, die für 300 verstorbene Menschenseelen und deren Angehörige angemessen ist (und das ist sicher nicht die Geld- oder verlängerte Kriegslösung). Stattdessen schießen wir weiter, gehen weiter baden, schauen weiter Fußball, lesen und hören meist sinnentleerte, entmenschlichte Statementes aus Politik und Nachrichten und sind kurz entsetzt über das Unmögliche. Und jetzt stellen sie sich vor, es wäre ihr eigenes Kind in diesem Flugzeug gesessen.

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Unendlich Jetzt ab November 2014 auf DVD/Bluray und auf Horizonworld.de

Ein sehr persönliches Interview im Rahmen der DVD-Veröffentlichung, geführt von Birgit Matz und veröffentlicht auf Horizonworld.de.

http://www.horizonworld.de/unendlich-jetzt-ein-film-der-zeit-neu-definiert/

 

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Dokumentationen im Marketing - Interview auf Werbezunder

Ein interessantes Thema auf das ich gerne näher eingegangen bin Hier zu lesen

 
Deutsch (DE-CH-AT)